Der Wert der Werte … wir sind Nobelpreisträger?

Date: 3. September 2015 Posted by: MichWitz In: Blog

Tagtäglich sehen wir neue Bilder von Menschen, die leblos im Mittelmeer treiben, an Küsten an Land gespült werden, Kinder, Frauen, Männer – unerträglich – Eine Schande!

Krieg und Verfolgung treibt tausende von Menschen in die Flucht nach Europa … und mehr und mehr endet diese Flucht in Katastrophen. Wieso?

Dass der Weg über das Mittelmeer, mit teuer erkauften Plätzen, auf wahren Seelenverkäufern gefährlich ist, ist nicht erst seit gestern bekannt. Bereits 2013 starte zB Italien MARE NOSTRUM – ein Programm, der italienischen Küstenwache, mit dem Ziel der Seenotrettung von Flüchtlingsbooten. Anlass waren mehrere hundert ertrunkene Flüchtlinge im Herbst 2013.

Das Programm kostete pro Monat um die 9 Millionen Euro und Italien hatte massive Probleme die Finanzierung dauerhaft zu sichern. Doch statt der humanitären Selbstverständlichkeit, das Programms zu fördern oder gar auf den gesamten Mittelmeerraum auszuweiten, kam von der EU nur Ablehnung und massive Kritik. Der EU, die noch im Jahr zuvor für ihre humanitären Werte den Friedensnobelpreis erlangte.

Mit MARE NOSTRUM werde eine Brücke nach Europa gebaut, die einen unkontrollierten Flüchtlingsstrom begünstigt. Das Programm erleichtert Schleppern die Arbeit und ermuntert Flüchtlinge diesen Weg zu nutzen. Ausserdem, sei es sowieso viel zu teuer. Dass das Programm zu allererst Menschen rettete – Nebensache.

Sicher wird eine effektive Seenotrettung die Hemmschwelle bei Schleppern und Flüchtlingen senken – doch ist die illegale Flucht über das Mittelmeer eher das Symptom und nicht die Ursache des Problems. Die Einstellung der Seenotrettung verringert nicht die Anzahl an Menschen, die an Afrikas Küste in Flüchtlingsboote steigen – maximal die Zahl, die auch am anderen Ufer lebend ankommen. Den Beweis geben uns die aktuellen Ereignisse. Allein Das sollte schon für eine Fortführung von MARE NOSTRUM sprechen.

Ein anderes Mittel wäre, die – für Flüchtlinge auch nutzbare – Errichtung legaler Wege nach Europa zu flüchten und Asyl zu beantragen. Wichtig: wir reden hier von 100% Kriegsflüchtlingen! Wir reden hier nicht von den vermeintlichen „Wirtschaftsflüchtlingen“ aus dem Balkan – die zum großen Teil vor Verelendung und Verfolgung fliehen – und doch bitte von den „guten“ Flüchtlingen zu unterscheiden sind (In diesen Tagen wird ja gern zwischen Gut und Böse unterschieden, gern genommen Gutmensch und ;o)

Mir ist klar, dass die Kriege nicht von nun auf gleich beendet werden können, weder durch lokale Diplomatie, noch durch Intervention von Anderen. Um so wichtiger ist aber, die humanitäre Hilfe vor Ort – aber auch bei den Menschen, die im Angesicht der Gefahr, den nicht viel ungefährlicheren Weg der Flucht auf sich nehmen. Und diese Hilfe beginnt nicht erst dann, wenn diese Menschen sich mit einer Nummer in die Schlange der Erstaufnahme einreihen.

Wieso kann eine Weltgemeinschaft und eine EU – die die höchste Auszeichnung für Humanität erhalten hat, die es heutzutage zu vergeben gibt – nicht das Geld in die Hand nehmen, und eine nachweislich wirkungsvolle Hilfe aufnehmen oder besser noch – auszweiten? Wieso ist es kein Problem 200 Millionen für ein zweitägiges Gipfeltreffen der Mächtigen Jahr für Jahr auszugeben – aber nicht für die Seenotrettung im Mittelmeer? Hunderte tote Menschen weniger oder 2 Tage Treffen von 7 Staatsoberhäuptern – JA, dieser Vergleich muss erlaubt sein! Das ist keine Kritik am Gipfeltreffen – das ist Kritik daran, dass lieber Gesprochen als Gerettet wird … oder auch: Was sind humanitäre Werte noch Wert? Dieses Treffen sollte dazu führen, die Welt besser zu machen – 200 zusätzliche Millionen in die Seenotrettung und die Welt wäre ein ganz Stück besser geworden.

Das Ergebnis ist Geschichte -MARE NOSTRUM wurde 2014 eingestellt – Italien hatte kein Geld mehr und die EU wollte es nicht weiter führen. Auf dem Papier startete mit TRITON ein Nachfolgeprojekt auf EU Basis. Gleichzeitig wurde klar gestellt, dass TRITON ein Programm zu Grenzsicherung der EU sei, nicht zur Seenotrettung. Die Sicherung endet 30 Seemeilen vor der Küste von Italien und Lampedusa (MARE NOSTRUM endete erst an der lypischen Grenze!) und sollte auch nur ein drittel des Budgets bekommen, welches Italien allein fürMARE NOSTRUM investiert hatte. Nach dem Anstieg der Flüchtlingszahlen Anfang 2015 wurde das Budget verdreifacht. Im Klartext – die Gesamte EU gibt, bei massiv höheren Flüchtlingszahlen, heute gerade einmal so viel Geld für die Seenotrettung aus, wie Italien mit MARE NOSTRUM vor 2 Jahren.

Wir Erinnern uns – die EU – Humanität, Friedensnobelpreis … Wir sind schockiert über Bilder mit leblosen Kinderkörpern im Mittelmeer? Mit welchem Recht?

 

tl;dr

Die EU ist Nobelpreisträger – schaut aber bei der humanitären Katastrophe im Mittelmeer nur zu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.