Asylantenbashingdenkhilfe

Date: 16. August 2015 Posted by: MichWitz In: Blog

Hier in Deutschland haben viele kaum was zu beißen – aber die Asylanten leben wie die Made im Speck.

So oder ähnlich schreit es Landauf Landab von „besorgten Bürgern“. Es tauchen horrende Summe von Taschengeld oder Begrüßungsgelder( 4000€ in Görlitz zum Beispiel) auf.

„Die wollen nicht arbeiten“, unsere Kultur missachten und schon gar nicht Deutsch lernen. Außerdem sind das ja fast nur junge Männer und Familienväter ohne Frau und Kinder – Wie feige!

Wie so oft, erscheint das alles mit etwas Nachdenken in einem anderen Licht und das ein oder andere Gerücht wird schon eine Googlesuche weiter enttarnt.

Hier eine kleine Asylmissgebrauchs-FAQ Liste, welche hoffentlich das ein oder andere Auge öffnet – aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

1. Wieso kommen nur junge Männer?

Sicherlich gibt es in allen Ländern – auch in Deutschland – nicht wesentlich mehr oder weniger Menschen, die ihre Heimat freiwillig verlassen wollen. Flüchtlinge dagegen verlassen ihre Heimat aus einer Not heraus – sie flüchten! Ein Blick auf die Landkarte zeigt schnell, dass der Weg kein Spaziergang wird. Ich finde es nur logisch, dass solche Strapazen vor allem durch junge gesunder Männer auf sich nehmen.

2. Wieso kommen so viele Familienväter allein?

Kannst Du Dir vorstellen wie groß die Not sein muss, damit Du Deine eigene Familie in einem Kriegsgebiet zurücklassen musst, um nach Deiner Flucht, die Familie – irgendwann, vielleicht – nach zu holen? Nein? Ich auch nicht. Wir können es uns nicht einmal vorstellen – Diese Familien erleben aber genau diese Not, die wir uns noch nicht einmal vorstellen können.

3. Bekommen die Flüchtlinge ein Begrüßungsgeld?

Nein – nie, niemals.

Ausländer bekommen andere Dinge frei haus – da gibt es unter den deutschen „Patrioten“ schon eine langjährige Tradition.

4. Welche Unterstützung bekommen die Flüchtlinge? Wie hoch ist das „Taschengeld“?

Da ist alles fein säuberlich und typisch deutsch geregelt – im sogenannte „Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)“.

Dort steht drin, was jedem Asylbewerber an Leistungen zu steht. Unter dem Strich etwas weniger als ein normaler Sozialhilfeempfänger. Dazu bekommt er noch einige Transferleistungen, wenn er Anspruch darauf hat, welche aber ebenfalls das Niveau eines Sozialhilfeempfängers haben. Nach 15 Monaten bekommt er etwas mehr – nämlich genau das was einem Sozialhilfeempfänger auch zu steht.

Kleine Sozialstatsbürgerkunde: Es ist in Deutschland so, dass sich einige mehr oder weniger kluge Menschen zusammensetzen und eine Mindestbetrag festlegen, welcher für die Grundsicherung der in Deutschland zum Leben notwendiger Bedürfnisse benötigt wird. Dieser Betrag ist zwar zu gering – sowohl für den jahrelang beitragszahlenden Facharbeiter, der in die Bedürftigkeit rutscht, als auch für den ungelernten Schulabbrecher, der sich keinen Job suchen möchte und auch für den Asylbewerber – aber er steht für den Betrag, den ein Mensch mindestens braucht, um in Deutschland in Würde zu leben. Und damit steht auch jedem Asylbewerber in Deutschland dieser Satz schon von Grundgesetz wegen zu!

5. Warum Arbeiten die nicht für ihr Geld?

Asylbewerber sind hier sehr eingeschränkt – oder um es auf den Punkt zu bringen – das dürfen die gar nicht.

Ein Asylberwerber darf in den ersten drei Monaten gar keiner (bezahlten) Arbeit nach gehen und vom 4-15ten Monat nur eine Arbeit, die kein EU-Bürger annehmen möchte und auch keiner, dessen Asyl bewilligt wurde. Nach 15 Monaten gilt diese Beschränkung nicht mehr. Hört sich schlimm an? – bis November 2014 war die dreimonatige generelle Arbeitssperre noch 9 Monate!

6. Warum lernen die nicht erst mal Deutsch?

Einen Deutschkurs – oder auch Integrationskurs – zu besuchen ist das Recht und die Pflicht von anerkannten Flüchtlingen. Asylbewerber sind aber eben genau das noch nicht – anerkannte Flüchtlinge. Daher müssen diese evtl. Kurse – wie zum Beispiel Deutschkurse – selbst bezahlen, was von den unter 4.) genannten Beträgen schlichtweg sehr schwierig ist. Vielen ehrenamtlichen Helfern ist es aber zu verdanken, dass zumindest Grundkenntnisse vermittelt werden.

7. Wenn die Asylbewerber schon kein Geld haben – wieso haben die dann ein Smartphone?

Für Flüchtlinge ist das Smartphone kein Luxusartikel wie für viele von uns – nein, das ist pure Notwendigkeit – oder gar Überlebenswichtig auf der Flucht. Mit dem Smartphone kann man für geringe bis gar keine Kosten mit den Verwandten zu hause in Verbindung bleiben – ohne Roaming – per WhatsApp, Skype etc. – WLAN Hotspots gibt es an vielen Ecken (Deutschland hängt hier im Vergleich zu vermeintlichen dritte Welt Ländern hinterher!) – und der Vorteil von GPS während der Flucht dürfte auch auf der Hand liegen.

Hier ein guter Artikel zum Thema – http://www.sueddeutsche.de/panorama/vorurteile-warum-handys-fuer-fluechtlinge-kein-luxusartikel-sind-1.2603717

8. Warum können sich die Asylbewerber nicht benehmen, pöbeln und prügeln rum?

Wenn sich Asylbewerber daneben benehmen oder auch straffällig werden, so müssen diese auch mit den Konsequenzen rechen – das ist so klar, wie ein solches Benehmen schlimm ist!

In der Relation werden Übergriffe durch Asylbewerber aber sicherlich nicht öfter geschehen, wie unter Deutschen, unter Franzosen …. – behaupte ich einfach mal.

9. Die wollen doch ihre Kultur zu uns bringen?

Ja, und? Wie der Italiener seine Pizza, der Amerikaner seinen Burger, der Belgier seine Fritten …

10. Aber die treten unsere Kultur mit den Füßen?

Siehe 8, bzw. analog.

11. Sind das nicht alles Islamisten?

Falsch – die Flüchten vor denen.

12. Bei uns sind ’45 auch nicht alle geflüchtet …

Zum einen flüchten nicht alle – zum anderen sind während und nach dem zweiten Weltkrieg auch Millionen aus Deutschland geflüchtet. So gibt es zum Beispiel offizielle Berichte, dass es in den 50iger Jahren mehr als eine halbe Million Auswanderungen von Deutschland allein in die USA gab, mehr als 200.000 nach Kanada und mehr als 60.000 nach Australien (siehe Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_%C3%9Cberseewanderung).

13. … und haben statt dessen Deutschland wieder aufgebaut.

Stimmt – nach dem Krieg wurde gemeinsam angepackt und aufgebaut. Aber was hat das mit den heutigen Flüchtlingen zu tun, wenn Deutsche, den durch Deutsch verursachten Schutt, in Deutschland weggeräumt haben?

14. Verfolgte Flüchtlinge ok – aber diese ganzen Wirtschaftsflüchtlinge?

Für nicht einmal 5€ am Tag (140€ Taschengeld im Monat siehe 4.) nach Deutschland zu kommen und sich Wirtschaftsflüchtling schimpfen – Humor ist wenn man trotzdem lacht.

15. Aber die kommen doch zum Arbeiten, weil die hier besser bezahlt werden – und nehmen mir den Job weg!

Wenn ein anerkannter Flüchtling (nur die dürfen ja hier bleiben und Arbeiten), der von wo anders kommt und hier keine Beziehungen hat und (wie so oft herumgetönt wird) „nicht Deutsch sprechen will“, „keine Bildung besitzt“ und „nur rumpöbelt“ – wenn also genau jener Dir Deinen Arbeitsplatz wegschnappt, ja dann …

16. Nach Kanada darf ich nur Einwandern, wenn ich einen Haufen Geld mitbringe und nachweise, dass ich meinen Lebensunterhalt langfristig selbst bestreiten kann – warum machen wir das in Deutschland nicht auch so?

Wenn Du, als Deutscher, ohne Not, nach Kanada auswanderst, dann wirst Du einige Hürden überwinden müssen. Flüchtlinge haben aber hier wie dort einen anderen Status.

17. Ach, ihr „Gutmenschen“.

Danke – aber was wäre den dann das Gegenteil?

 

Ich hab mich hier auf die Fragen und Aussagen beschränkt, die jetzt immer wieder von „besorgten Bürgern“ aufgegriffen werden.

Unabhängig davon, bedenkt bitte, dass die meisten dieser Flüchtlinge unter – für uns unvorstellbaren – Strapazen zu uns gekommen sind. In einer Nussschale über das Mittelmeer – in der Nacht – tausende Kilometer Fussmarsch hinter sich haben und geflogen sind vor Verfolgung, teilweise gefoltert und missbraucht wurden. Das sind Menschen!

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